Meinungsmache in der Praxis

Dass Jour­na­lis­ten in Deutsch­land nicht immer frei von Dik­tat und Main­stream berich­ten, wis­sen wir längst. Vie­le Kol­le­gen sind gera­de­zu mit allen Was­sern gewa­schen, wenn es dar­um geht, eine Mei­nung bewusst in die gewünsch­te Ziel­rich­tung zu len­ken.

Ein klei­nes, aber rich­tungs­wei­sen­des Bei­spiel ist die Mel­dung, die soeben auf Micro­soft-Han­dys lan­de­te. Dar­in heißt es:

AfD-Pro­gramm in Tei­len ver­fas­sungs­wid­rig

Das ist der Ham­mer, oder? Schon wie­der die­se AfD! Jetzt ist klar: Die Par­tei ist ver­fas­sungs­wid­rig – oder etwa nicht? Nein, natür­lich nicht. Denn schaut man sich den Arti­kel etwas genau­er an, stellt sich her­aus: Hier wird ledig­lich die Mei­nung des Herrn Jus­tiz­mi­nis­ters wie­der­ge­ge­ben, jenes Man­nes also, der auf der einen Sei­te der Zen­sur im Inter­net höchst zwei­fel­haf­te Impul­se ver­leiht und ande­rer­seits mit zum Teil dras­ti­schen Äuße­run­gen dem poli­ti­schen Geg­ner die Hass-Frat­ze auf­setzt. Die­ser Mann ver­tritt die kru­de The­se:

Mit der AfD könn­te erst­mals seit 1949 eine Par­tei die 5-Pro­zent-Hür­de über­sprin­gen, deren Pro­gramm in Tei­len ver­fas­sungs­wid­rig ist.

Wei­ter heißt es, die AfD for­de­re kla­re Ver­let­zun­gen meh­re­rer Grund­ge­setz-Arti­kel. Mal ganz davon abge­se­hen, dass dies aus­ge­mach­ter Unsinn ist, liest sich die Head­line den­noch gut – wirkt sie doch auf den ers­ten Blick wie eine Fest­stel­lung und eben nicht wie die Mei­nung eines im Wahl­kampf befind­li­chen SPD-Man­nes, der von Ach­tung des poli­ti­schen Geg­ners offen­bar genau­so weit ent­fernt ist wie wir alle vom Mond.

Doch zurück zum Arti­kel: Der Micro­soft-Dienst MSN beruft sich in sei­ner Dar­stel­lung auf die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters. Schaut man sich deren Arti­kel jedoch in einem Inter­net-Brow­ser an, wird schnell klar, dass es sich um die Mei­nung eines Ein­zel­nen han­delt. Dar­aus macht Reu­ters auch kein Geheim­nis. Denn die Agen­tur schreibt:

Jus­tiz­mi­nis­ter – AfD-Pro­gramm in Tei­len ver­fas­sungs­wid­rig

Das hört sich schon anders an, oder? Wie wich­tig die­ses ers­te Wort (“Jus­tiz­mi­nis­ter”) in der Gesamt­aus­sa­ge ist, fällt auf, wenn man es ein­fach mal weg­lässt. Also bit­te las­sen Sie sich nicht von Über­schrif­ten lei­ten – und vor allem: Prü­fen Sie immer die Inhal­te einer Mel­dung. Ich wer­de Ihnen in Kür­ze wei­te­re Bei­spie­le auf­zei­gen, in denen es so oder so ähn­lich läuft.

Bei­trags­bild: Screen­shot © MSN